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Die Geschichte vom Pfarrhof

Der Pfarrhof wurde im Zusammenhang mit dem kaiserlichen Auftrag, Heiligenberg als selbständige Pfarre zu gründen 1780 im spätbarocken Baustil errichtet. Er diente insgesamt 17 Priestern als Wohn- und Wirkstätte von 1783 bis 1972. Seit dem Tod von Pfarrer Alois Kaiser im Jahr 1972 wurde der Pfarrhof nicht mehr von einem Priester bewohnt. Dementsprechend verschlechterte sich auch die Bausubstanz, so dass im Wesentlichen nur mehr ein Teilbereich des Erdgeschosses benutzt werden konnte. Durch dieses eingeschränkte Platzangebot und den desolaten Bauzustand wurde der Pfarrhof nur mehr in wenigen Ausnahmen genützt.

 

Baufälligkeit und Planungsphase

In den letzten Jahren wurde die Notwendigkeit einer Generalsanierung immer dringender, einerseits weil die Räumlichkeiten nicht mehr den Bedürfnissen der pfarrlichen Organisationen entsprachen, andererseits weil die Bausubstanz mehr und mehr gefährdet war durch eindringende Feuchtigkeit vom Boden her und von den Schäden am Dach. Dadurch wurde ein Großteil des Verputzes am Mauerwerk sehr in Mitleidenschaft gezogen sowie der wertvolle Schiffboden in einem Raum durch Fäulnis zur Gänze zerstört. Deshalb beschloss der Pfarrgemeinderat im Jahr 2001 das Gebäude im Rahmen einer Generalsanierung wieder langfristig zu erhalten und den Bedürfnissen der Pfarre anzupassen. alter Pfarrhof
alte Mauer Nach der Beschlussfassung wurde der Kontakt mit der Diözese hergestellt und in Absprache mit allen pfarrlichen Organisationen ein Raumerfordernisprogramm erstellt. Am 6. Mai 2003 erfolgte dann ein Lokalaugenschein mit Arch. DI Schaffer, dem Kunstreferenten der Diözese Herrn MMMag. Hubert Nitsch und Hofrat Dr. Bernd Euler vom Bundesdenkmalamt. In der Folge wurden Pläne durchbesprochen und eine Grobschätzung der Baukosten erstellt.

 

Denkmalschutz

 

Das Bundesdenkmalamt stellte am 7. Juli 2003 über dieses Gebäude Folgendes fest:

"Das Pfarrhofgebäude von Heiligenberg steht gemäß § 2, Abs. 1 Denkmalschutzgesetz rechtskräftig unter Denkmalschutz. Das in das 18. Jahrhundert zu datierende Objekt stellt ein charakteristisches spätbarockes Pfarrhofgebäude dar, das seinen architektonischen und kulturellen Stellenwert bereits am Außenbau durch stattliche Proportionierung des zweigeschossigen Objekts und durch das besonders charakteristische hohe Mansardwalmdach erkennen lässt.
Im Inneren ist das Pfarrhofgebäude durch eine klare systematische Aufschließung gekennzeichnet, die über Mittelflure in beiden Geschossen und ein seitliches zweiläufiges Stiegenhaus erfolgt. In Verbindung mit den einheitlichen klar strukturierten Raumabfolgen ergibt sich eine systematische Grundrissausbildung, die für die funktionsorientierte Bauweise im fortgeschrittenen 18. Jahrhundert charakteristisch ist.
Die Bausubstanz weist eine aufwändige architektonische Ausführung auf, die im Erdgeschoss von verschiedenen Gewölbeformen und im Obergeschoss von geputzten Flachdecken mit Kehlungen und Putzprofilen bestimmt ist. Von besonderer Bedeutung ist darüber hinaus die erhalten gebliebene authentische Bauausstattung mit den charakteristischen Schiffböden und einem wertvollen Bestand von fünf Barocktüren im Obergeschoss mitsamt ihren geschwungenen Bändern, Ziehknöpfen etc. Zur bemerkenswerten historischen Bauausstattung zählt auch die aufgedoppelte Haustür mit klassizistischem Ziehknopf.
Somit kommt dem Pfarrhofgebäude von Heiligenberg eine erhebliche geschichtliche, künstlerische und kulturelle Denkmalbedeutung zu."

 

Umbau und Restaurierung

 

Anfang September 2005 erfolgten die ersten Auftragsvergaben, wobei die Pfarre nach Möglichkeit die Arbeiten an heimische Firmen vergeben hat.
Bereits im November konnte das Gebäude wieder beheizt werden und auch das Dach war zu diesem Zeitpunkt saniert und neu eingedeckt. Durch die Verwendung von Lärchenholzschindeln, was für unsere Gegend eine Besonderheit darstellt, erhielt das charakteristische Mansardwalmdach ein weithin einmaliges Aussehen. Um das architektonische Gesamtbild im ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, erfolgte die Erneuerung der Fenster in der für die damalige Zeit charakteristischen Form des Kastenstockfensters.
Hinterberger Gust
alter Dachstuhl
Im Innenbereich konnte Dank der fachgerechten Beratung durch das Bundesdenkmalamt und das Baureferat der Diözese die 225 Jahre alte authentische Ausstattung mit den Schiffböden und den einmaligen Barocktüren sowie die aufgedoppelte Haustüre zur Gänze erhalten werden. 

 

Neuer Ort der Begegnung

neuer Pfarrhof
Der Pfarrhof wurde jedoch nicht nur aus denkmalpflegerischer Hinsicht mit großem finanziellem und persönlichem Engagement der gesamten Bevölkerung renoviert, vor allem ist er wieder Ort der Begegnung für alle Gruppierungen der Pfarre und Gemeinde Heiligenberg geworden. Um dies allen Personen zu ermöglichen, wurde auf die behindertengerechte Ausstattung Wert gelegt. Im Erdgeschoss wurde Platz geschaffen für einen Besprechungsraum bzw. für die Pfarrkanzlei und ein Archiv für die Pfarrunterlagen sowie ein Raum mit Übernachtungsmöglichkeit.
Im Obergeschoss entstand durch das Austauschen einer Zwischenwand gegen eine mobile Trennwand ausreichend Raum einerseits für die Proben des Kirchenchores und andererseits für Veranstaltungen bis zu maximal 70 Personen, wie z. B. diverse Vorträge, Zusammenkünfte der Jugendlichen sowie der Goldhaubengruppe und der Senioren, Erstkommunionfeier, Pfarrcafès, etc.

Die Gesamtkosten dieser Renovierung betrugen etwa 330.000 Euro bei Eigenleistungen von weit über 4.000 Arbeitsstunden. Dies ist umso bemerkenswerter, da die Einwohnerzahl der Gemeinde und Pfarre Heiligenberg nur 700 Personen umfasst. Durch die tatkräftige Mithilfe der Bevölkerung und die finanziellen Zuwendungen von Land O.Ö., Diözese, Bundesdenkmalamt, Bundessozialamt, Gemeinde und allen anderen Sponsoren konnte dieses Kulturjuwel erhalten werden.

Inzwischen kann festgestellt werden, dass die Pfarre Heiligenberg nicht nur wieder ein Schmuckstück geschaffen hat, das sowohl architektonisch als auch funktionell allen Anforderungen voll entspricht, sondern dass auch die Räumlichkeiten von allen Pfarrangehörigen intensiv genutzt werden und das Haus somit zu einer Stätte der Begegnung geworden ist.

 
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